JACKIE UND DER FÖRSTER

14. März 2022

Fotos: Klaus Micknaus und Jackie A.

Jackie A.

Jackie Asadolahzadeh flüchtete 1989 aus der DDR nach West-Berlin, wo sie ihre erfolgreiche Ankunft mehrere Jahre lang in nahezu jedem Berliner Club feierte. Die Reporterin und Moderatorin arbeitete für TV und Radio und schreibt u.a. für das Tip-Stadtmagazin.

Klaus Micknaus

Klaus Micknaus ist seit 20 Jahren Förster in Eichkamp (Berlin). Seine Leidenschaft gilt: dem Wald! An warmen Sommertagen liebt er Ausflüge mit dem Hund durch den kühlen Grunewald und genießt dabei die nach Kiefern duftende Luft und die Ruhe in der Natur.

 

Jackie, Du triffst am 27. März bei der CARBONALE ON TOUR im Grunewald auf den Förster Klaus Micknaus – sofern er nicht zu gut getarnt ist. Was möchtest Du von ihm wissen?
OMG! Was zieht man eigentlich zu einem Förster-Date an? Ne, im Ernst, mich interessiert, wie er überhaupt zu diesem Beruf gekommen ist, was der Wald für ihr bedeutet, was er vom Wald gelernt hat und wie es im Moment um den „Patienten“ steht. Also was die länger werdenden Trockenperioden mit Flora und Fauna machen – Wie sieht der Grunewald im Jahr 2050 aus? Und was können wir dabei tun? Mit der Gießkanne werden wir vermutlich nicht weit kommen…

Du hast Dein halbes Leben in Berliner Nachtclubs verbracht, wohnst aber jetzt zwischen Kiefern und Fichten in Brandenburg. Was macht das mit Dir und Deinem Leben?
Das macht ganz viel. Ich nehm mich nicht mehr als Jemand nah ‚an der Natur‘ war, sondern als Teil davon. Wenn ich in den Wald gehe, läuft das oft so, dass ich unwirsch und schnell reinlaufe und nach zwei Stunden tiefenentspannt und „gereinigt“ wieder rauskomme. Mir ist mal aufgefallen, dass ich im Wald automatisch anders atme, als wenn ich durch Neukölln oder den Prenzlauer Berg spaziere - tiefer. Das klingt jetzt hoffentlich nicht nach Esotherik-Geschwurbel, aber dieses Gefühl der Aufgehobenheit, innerer Kraft und einer tiefen Verbundenheit kann glaube ich jeder nachvollziehen.

Und wie geht es dem Wald?
Welchen meinst Du denn? Bei mir um die Ecke wächst die typische Brandenburger Kiefernplantage. Die ist sehr trocken und wie die meisten Monokulturen auch anfällig für Krankheiten. Den Mischwäldern hingegen z.B. In der Uckermark gehts es gar nicht so schlecht. Die sind erstaunlich widerstandsfähig. Buchen z.B. kommen mit Trockenheit ganz gut klar.

Was hat der Wald mit uns als Gesellschaft zu tun?
Schau Dir den Zustand der Wälder an, und Du weißt wie es den Menschen geht. Der Wald hat Grundbedürfnisse wie Du und ich: Licht, saubere Luft, giftfreies Wasser, unbelastete Böden. Das Verrückte ist, dass der Wert des Waldes immer noch vor allem nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten bemessen wird: als Areal zur Rohstofferzeugung. Dabei ist sein Beitrag, zum Beispiel zur Klimaregulation, doch so viel größer.

Was assoziierst du mit „Klimakultur“? Und was hat die Kultur mit dem Klima zu tun, und das Klima mit unserer Kultur?
Haha, mein schlechtes Gewissen, wenn ich heimlich etwas kaufe, von dem ich ahne, dass es jetzt ingesamt nicht so toll für die Umwelt ist. So ein Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen, auch ein anderes ästhetisches Empfinden, z.b. bei Autos: klein ist geil.

Du kennst die Berliner Eventszene wie deine Jackentasche. Worauf bist du bei der Carbonale besonders gespannt?
Bei der Carbonale find ich den Ansatz spannend: weg von den Weltuntergangszenarien hin zu einem konstruktiven Ansatz mit Blick auf das Gesamtpaket. Das kann man dann sogar mit Humor beackern - und den haben wir gerade besonders nötig bei der weltweiten Lage. Ich freu mich jedenfalls schon auf diesen Priester, dem man vor Ort seine Klimasünden beichten kann. Wir haben da definitiv einiges zu besprechen.

 

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